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Cogito ergo sum - Im Kopf von Sherlock Holmes

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In der Zeitschrift "The Baker Street Chronicle" - dem Medium der "Deutschen Sherlock Holmes Gesellschaft" - erschien in der Sommerausgabe des Jahres 2019 meine Abhandlung über die Philosophie der Denkmaschine. Diese sei hier noch einmal separat veröffentlicht.

Dem geneigten Holmes- Enthusiasten kann ich jedoch nur empfehlen, die vollständige Sommerausgabe des "Baker Street Chronicle" auf TBSC 2019 - Sommer zu beziehen.



Cogito ergo sumIm Kopf von Sherlock Holmes
Prolog


Sherlock Holmes Art, sich dezidiert eines ihm gestellten Problems anzunehmen, war bisher des Öfteren Thema „sherlockianischer“ Essays beziehungsweise mehr oder minder gelungener Pastiches in gedruckter oder cineastischer Form. Die Funktionsweise der Denkmaschine steht zweifelsohne im Zentrum der Schöpfung Sir Arthur Ignatius Conan Doyles. Die exakte Beobachtung der eigenen Umwelt, das vorurteilsfreie Erfassen aller relevanten Fakten sowie nicht zuletzt die deduktive und dialektische geistige Bea…

Der Primat des Christentums - Eine kleine Exegese zum Osterfest

In der 23. Ausgabe des 'Ewald & Ewald' erschien gerade, der nun folgende Artikel aus meiner digitalen Feder. Zum Osterfest scheint es passend ihn hier zu veröffentlichen. Der Unsinn um die "Kreuzdebatte" ist noch nicht recht verklungen, die Inhalte denen sich die Christen der Welt eigentlich verschreiben sollten verklingen jedoch nie. Es ist mal wieder an der Zeit sich selbst daran zu erinnern, worin das Christsein, oder auch das Menschsein, eigentlich besteht. Nämlich in der Fürsorge um Menschen in Not, nicht um hohle Phrasen und sinnbefreite Symbole.
In Bayern und andernorts konnte man im zurückliegenden Jahr eine von der CSU initiierte Debatte über das Anbringen von Kreuzen an öffentlichen Orten erleben. Diese Debatte gipfelte dann zum 1. Juni mit dem Inkrafttreten des „Kreuzerlasses“, welcher allen öffentlichen Behörden die Verpflichtung auferlegt, im Eingangsbereich gut sichtbar ein Kreuz aufzuhängen. Von nun an soll in Polizeirevieren, Ministerien, Gerichtsg…

Das Schwarze Loch von Messier 87

Ex ungue leonem – man erkennt den Löwen an der Pranke. Auf diese Weise gelingt nun auch der erste photographische Blick auf eines der faszinierendsten Phänomene des Universums. Einer internationalen Gemeinschaft von Forschern ist es gelungen, die erste direkte Photographie eines Schwarzen Lochs einzufangen. Hier wurde die Rechenleistung und die Auflösung von Teleskopen rund um den Globus kombiniert um ein supermassives Schwarzes Loch in der 55 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie Messier 87  photographisch einzufangen, freilich so wie es sich vor 55 Millionen Jahren verhielt – und ewig grüßt das relativistische Murmeltier. Beteiligt am „Event Horizon Telescope“ waren auch die Max Planck Institute für Radioastronomie und Extraterrestrische Physik.
Schwarze Löcher gelten gemeinhin als recht kamerascheu. Die äußere Akkretionsscheibe eines Schwarzen Lochs emittiert so viel leuchtende Strahlung und bewegt sich so dynamisch, dass ein Blick hinter die Kulissen oft schwer fällt. Mathematisc…

Das Zentrale Dogma des Sherlock Holmes

»Was meinen Sie zu einem Bummel durch London?« Ich war unseres kleinen Wohnzimmers überdrüssig und willigte dankbar ein. Drei Stunden lang spazierten wir gemeinsam umher und betrachteten das unaufhörlich wechselnde Kaleidoskop des Lebens, wie es durch die Fleet Street und die Strand ebbt und flutet. Holmes' charakteristisches Geplauder mit seiner scharfen Detailbeobachtung und subtilen Fähigkeit der Schlussfolgerung ergötzte und fesselte mich unaufhörlich.

(„Der niedergelassene Patient“)

In den einleitenden Worten der Novelle „The Resident Patient“ (Der niedergelassene Patient) bringt Chronist Watson eine Wirkung des zentralen Dogmas der Weltsicht des Sherlock Holmes trefflich auf den Punkt. Die bloße Beobachtung unserer Umwelt reicht nicht aus um diese auch zu begreifen. Sehen ist nicht gleich Beobachten, Beobachten schon gar kein Schlussfolgern. Mit offenen Augen durch die Welt zu schlendern befähigt noch niemanden sie auch fundiert zu begreifen. Des großen Weltreisenden von Humbol…

Von der modernen Denkabstinenz – Eine Ausstiegsstrategie

Meinung und Faktum zu unterscheiden – heutzutage wird dies dem Normalbürger (warum auch immer irgendjemand stolz darauf sein sollte, völlig „normal“, also mittelmäßig zu sein) wahrlich nicht ganz leicht gemacht. Hinter so vielen Meldungen – ob im TV, Internet oder in den Printmedien – verstecken sich Intensionen, die von Marketingstreben und politischer Orientierung gefärbt sind. Dazu kommt ein schieres Überangebot derselben, was es vielen – auch ob ihrer eigenen prall gefüllten Zeitpläne – unmöglich macht, diesen angemessen nachzugehen.
Von einem Herren, den ich sehr schätze und der mir zum Geistesvater geworden ist – zudem wohl der gelehrteste Mann, den ich kennen darf – höre ich öfters: Dies und das sei nicht sein Gebiet und er könne sich darüber keine fundierte Meinung bilden. Wenn ich vor einer aktuellen Frage stehe, wie sie vielleicht gerade medial kursiert, welche weder seinen noch meinen Neigungen entspricht, kann er im Zweifelsfall allerdings besser des Pudels Kern offenlegen …

Tempus fugit - Gott, dessen Ursache und das Absurde

In der 22. Ausgabe des 'Ewald & Ewald' erschien vor kurzem dieser Artikel aus meiner Feder. Er beleuchtet ein altes Dilemma. Wie kann ein Schöpfer, der allem was IST, als Ursache dient, doch selbst ohne Ursache sein? Was war "vor" dem Urknall und wie könnte die Realität eines Schöpfers aussehen?

Ob man nun selbst an Gott oder eine vergleichbare Entität glaubt, sei soweit obsolet. Fakt bleibt, unser Universum benötigt irgendeine erste Ursache, einen Ursprung. Ich nenne diesen Ursprung Gott, manche wiederum Allah oder Jahwe. In zunehmender Häufigkeit wird ebenso von einer "ersten Intelligenz" oder von "extradimensionalen Wesen" gesprochen. Dem Katholiken sei es erlaubt hier den alttestamentarischen Schöpfergott zu erkennen, für die Quintessenz dieses Artikels ist es jedoch gleich, wie man die Ursache des Universums in dem wir leben, nennt.

Vom Kreationismus, der allmählich über den großen Teich zu uns nach Europa gelangt, kann man halten was m…